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Liebe Rosenfreunde,
nach dem Abschluss des dreijährigen Forschungsprojektes im Oktober des Jahres 2007 und der Einreichung des Abschlussberichtes im Januar 2008 möchten wir an dieser Stelle über die erzielten Ergebnisse informieren und einen Ausblick in die Zukunft geben.
Gleichzeitig bedanken wir uns sehr herzlich bei allen Beteiligten, die Daten überlieferten, Forschungsarbeiten leisteten, Ideen einbrachten, bilaterale Kooperationsverträge unterzeichneten und / oder Pflanzenmaterial für den Aufbau des Genbanknetzwerkes zur Verfügung stellten.
Die Stadt Sangerhausen ermöglicht durch die Einrichtung einer Koordinierungsstelle im Europa-Rosarium für einen befristeten Zeitraum die Fortsetzung der Netzwerkarbeiten im Anschluss an den Förderzeitraum, besetzt mit der ehemaligen Projekt-Assistentin Frau Gerhild Schulz (Dipl.-Ing. agr.).
Grundvoraussetzungen für die weitere Etablierung des Genbanknetzwerkes und die Fortsetzung der fachlich-inhaltlichen Genbankarbeiten sind die Einrichtung und der dauerhafte Betrieb einer Rosenforschungsstelle im Europa-Rosarium Sangerhausen. Wir hoffen auf die finanzielle Unterstützung durch den Bund und das Land Sachsen-Anhalt. Wir sind offen für die Zusammenarbeit mit Forschungseinrichtungen des Landes und die Initiierung themenbezogener Projekte.
Wir freuen uns auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit allen Interessenten, die sich aktiv am Auf- und Ausbau des Genbanknetzwerkes beteiligen möchten und selbstverständlich auch über die weitere Zusendung von Informationen und Datenmaterial.
Gerhild Schulz
Koordinierungsstelle Genbanknetzwerk Rose
Europa-Rosarium Sangerhausen
Steinberger Weg 3
06526 Sangerhausen
Tel.:0 34 64 - 57 95 94
Fax: 0 34 64 - 57 25 22
E-Mail: rosarium-sangerhausen@t-online.de
Internet: www.europa-rosarium.de (Bereich Forschung und Zukunft)
Sangerhausen im Februar 2008
E i n l e i t u n g
Die Bundesrepublik Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung des Übereinkommens über die
biologische Vielfalt (CBD) zur Erhaltung und nachhaltigen, gerechten Nutzung der Biodiversität
sowie zu einer diesbezüglich angemessenen Finanzierung verpflichtet. Aus diesem Grund wurde
das von der Stiftung Europa-Rosarium des Vereins Deutscher Rosenfreunde konzipierte BMELVModellvorhaben "Beispielhafte Erfassung und Charakterisierung der genetischen Ressourcen von Zierpflanzen anhand der Rose - Errichtung eines Genbanknetzwerkes für die Rose" im Europa- Rosarium Sangerhausen vom 01.11.2004 bis zum 31.10.2007 durchgeführt. Im Projekt wurden Wege zur Errichtung, zum Betrieb und zur Nutzung einer Zierpflanzengenbank modellartig am Beispiel der Rose entwickelt. Die Kernaufgaben des Modellvorhabens waren:
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die Erfassung des Bestandes an Rosengenotypen in Deutschland
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die Erarbeitung eines Merkmalskataloges,
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die Charakterisierung der Rosen hinsichtlich botanischer und züchterisch nutzbarer
Merkmale,
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die Erstellung einer Datenbank für das Genbanknetzwerk Rose mit den zugehörigen
Genbankfunktionen.
M e t h o d e n
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Kontinuität der Sammelstrategie und der praktizierten Erhaltungsarbeit für die Gattung Rosa L.
im Europa-Rosarium Sangerhausen seit über hundert Jahren als essenzielle Grundlage für die
im Rahmen des Modellvorhabens erzielten Ergebnisse zur Bewahrung der biologischen Vielfalt
der Wild- und Kulturrosen ex situ (außerhalb der natürlichen Lebensräume)
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Beschreibung, Dokumentation und Evaluierung der Rosenvielfalt der weltgrößten
Rosensammlung in Sangerhausen in Zusammenarbeit mit Institutionen und Rosenspezialisten
aus Deutschland, Italien und Großbritannien
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Nutzung bestehender Strukturen des Informationsflusses zwischen den Rosenfreunden zum
Aufbau des Genbanknetzwerkes und Zusammenführung mit den Aktivitäten von
kooperationsbereiten Sammlungsinhabern
E r g e b n i s s e
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Schaffung der funktionalen Voraussetzungen für die Gründung einer netzwerkartig strukturierten, dezentralen Rosengenbank
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Erteilung eines unbefristeten und freien Mandats von der Stadt Sangerhausen an das Europa- Rosarium zur Etablierung einer Rosengenbank und den dazugehörigen Referenzsammlungen
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Entwicklung einer Genbankordnung und einer Beschreibung der Technik der Sortimentsführung für das ERS
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Abschluss erster bilateraler Kooperationsvereinbarungen zwischen dem Europa-Rosarium und weiteren Rosengärten mit dem Ziel der Zusammenarbeit innerhalb des Genbanknetzwerkes Rose über das Ende der Projektlaufzeit hinaus
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Schaffung einer befristeten Koordinierungsstelle in Teilzeitbeschäftigung zur Fortsetzung des Vorhabens und zur Sicherung der im Projekt erzielten Ergebnisse, finanziert durch die Stadt Sangerhausen
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Anlage von ersten Vergleichsanbauten und Anpflanzung von Sicherheitsduplikaten in mehreren Rosengärten
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Datenerhebungen:
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Adressen von Rosensammlungen in Deutschland
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Struktur und Strategie der Rosengärten (Fragebogen)
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Sortimentsbestände der Rosensammlungen
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Digitalisierung und Abgleich der Kulturrosenbestände von 41 Rosensammlungen in Deutschland, welche ein breites Spektrum der vorhandenen Kulturrosenbestände wiedergeben. Ein Abgleich der Wildrosenbestände der Sammlungen anhand des vorliegenden Datenmaterials muss Aufgabe für die Zukunft bleiben.
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Einbeziehung des ehemaligen Arbeitskreises Wildrosen in das Modellvorhaben mit dem Ziel der Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen, speziell der verwandten Wildsippen der Rosen, in situ (innerhalb der natürlichen Lebensräume), voraussichtliche Gründung einer ersten Bundesarbeitsgruppe Wildrosen im Naturschutzbund Deutschland e. V. (NABU)
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Veröffentlichung eines eigenständigen Wildrosenverzeichnisses des ERS im Jahr 2006, Verfügbarkeit der aktualisierte Version mit dem Bearbeitungsstand August 2007 über den Downloadbereich
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Sichtung der Wildrosenbestände im Europa-Rosarium Sangerhausen und im Deutschen Rosarium Dortmund, Wildrosenbestimmungen durch internationale Spezialisten
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Entwicklung eines Bonitursystems zur Erfassung der phänotypischen Merkmale der Rosen
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Abschluss der Boniturarbeiten am Wildrosenbestand des Europa-Rosariums zu über 90%, Erzielung eines Überblicks über die phänotypischen Merkmale aller Kulturrosenklassen durch exemplarische Bonituren

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Aufbau einer umfangreichen Herbar-, Frucht- und Samensammlung aus dem Wild- und Kulturrosenbestand des ERS, Übernahme von Fremdbelegen; zeitweilige Übergabe des Herbariums an das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, welches am internationalen Leihverkehr der Herbarien teilnimmt; dauerhafte Lagerung und Nutzbarkeit der Sammlung im Europa-Rosarium nach der geplanten Schaffung von geeigneten Archivierungsmöglichkeiten im Verwaltungsgebäude des ERS
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Ergebnisse der Forschungsarbeiten zur Evaluierung der Rosendiversität als gute Grundlage für weiterführende wissenschaftliche Untersuchungen:
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Ploidiebestimmungen an etwa 500 Mustern über die Ermittlung der DNA-Mengen (Prof. Roberts – University of London); Entdeckung bisher nicht bekannter Ploidiestufen in einigen Sektionen der Gattung Rosa L. als wichtiger Beitrag zur Erforschung der evolutionären Verbindungen von verschiedenen Rosenklassen
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genetische Charakterisierung von rund 200 Rosengenotypen zweifelhafter Herkunft durch den Einsatz von Mikrosatelliten (Prof. Dr. Debener - UNI Hannover); Ermittlung zahlreicher identischer Genotypen, wahrscheinlich Klone desselben Genotyps; Methode ermöglicht Identitätsnachweise von Duplikaten
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Erschließung neuer Merkmalsquellen mit dem Ziel der besseren Kenntnis der Verwandtschaftsverhältnisse der Gattung Rosa L.: Analysen chemischer Komponenten des Rosenduftes (PD Dr. Degenhardt - Max-Planck-Institut für Chemische Ökologie Jena); Verstärkung bestehenden Wissens, Vorhersage von Vererbungsrichtungen des Duftes im System der Caninae
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visuelle Prüfungen im Europa-Rosarium zur Widerstandsfähigkeit von Rosen gegenüber Pilzkrankheiten; Ergebnisse haben Relevanz für die Charakterisierung der Rosen hinsichtlich ihrer züchterisch nutzbaren Merkmale
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Erfassung von potenziellen tierischen Vektoren für Rosenpathogene (Dipl.-Biol. H. Ruhnke); erstmalig Angaben zur Entomofauna des ERS; Ergebnisse bilden die Basis für weiterführende Forschungsarbeiten zum Wahlverhalten der Vektoren
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Anpassung der Datenbank des ERS an die Bedürfnisse der Genbank. Die Nutzung der sich in der Testphase befindlichen Version mit den neuen Genbankfunktionen ist nach der geplanten Installation im ERS möglich. Eine repräsentative Auswertung der Erhebungsdaten kann erst nach ihrer vollständigen elektronischen Erfassung erfolgen.
A u s bl i c k
Dezentral organisierte Genbanken sind eine zeitgemäße Antwort auf die Generosion und den weiteren Verlust an Biodiversität in Industrieländern. Die erzielten Ergebnisse des Modellvorhabens bilden eine solide Grundlage für die dauerhafte Etablierung des Genbanknetzwerkes Rose und zeigen einen möglichen Weg zur Errichtung, zum Betrieb und zur Nutzung einer dezentral organisierten Zierpflanzengenbank auf.
Das bestehende Genbanknetzwerk Rose erfüllt die Qualitätsstandards einer nationalen Genbank hinsichtlich seiner Funktionalitäten noch nicht. Die formale Gründung eines Genbanknetzwerkes für die Rosen als wesentlicher Bestandteil der nationalen Zierpflanzengenbank ist dringend erforderlich. Sie kann maßgeblich zur Erfüllung der mit der Unterzeichnung des internationalen Übereinkommens über die biologische Vielfalt (ÜBV/CBD) durch die Bundesrepublik Deutschland eingegangenen Verpflichtungen beitragen.
Die gewünschte dezentrale Organisation der Rosengenbank erfordert einen hohen, zusätzlich zu erbringenden Koordinationsaufwand. Die schrittweise Einbindung möglichst vieler deutscher Rosengärten, engagierter Sammler, Wissenschaftler und Rosenfreunde stellt jedoch eine hervorragende Möglichkeit für die flächendeckende Inventarisierung und nachhaltige Sicherung der Rosendiversität in der Bundesrepublik dar.
Das ERS kann langfristig als Referenzsammlung und zentrale Anlaufstelle im Netzwerk fungieren sowie die Profilierung und Arbeitsteilung der Rosengärten koordinieren, wenn es in der geleisteten fachlichen und inhaltlichen Arbeit für die Genbank Vorreiter bleibt. Der Fortbestand dieser Funktion wird entscheidend von der künftigen personellen und finanziellen Ausstattung beeinflusst. Die Einrichtung und der dauerhafte Betrieb einer Rosenforschungsstelle im Europa-Rosarium Sangerhausen mit einem angemessenen Budget für Personal-, Sach- und Reisemitteln ist eine essenzielle Voraussetzung für die nachhaltige Sicherung der im Projekt erzielten Ergebnisse. Ebenso hängen die dauerhafte Existenz der Genbank für die Rosen sowie die künftige Einhaltung von Qualitätsstandards, unter denen nationale und internationale Genbanken arbeiten, davon ab. Zur Bewältigung der im Projekt gesammelten Datenmenge, zur Gewährleistung der künftigen Boniturarbeiten, zur Dokumentation weiterer Erfassungsdaten sowie zur Absicherung der Aufarbeitung, Pflege und Erweiterung der Herbar-, Frucht- und Samensammlung ist der Einsatz von zusätzlichem technischen Personal und von Hilfskräften ausdrücklich zu empfehlen. Bund und Länder können durch die Bereitstellung von Fördermitteln den Auf- und Ausbau der ersten dezentral organisierten Zierpflanzengenbank zügig in die Wege leiten. Das Land Sachsen- Anhalt sowie die Stadt Sangerhausen haben sich bereit erklärt, die Fortführung des Genbanknetzes Rose über das Projektende hinaus abzusichern.
Für die Realisierung einer kontinuierlichen, sortimentsbezogenen Forschung bedarf die größte Rosensammlung der Welt einer institutionellen Anbindung. Aus organisatorischen, politischen und ökonomischen Gründen empfiehlt sich die Einbeziehung etablierter Institutionen des Wissenschaftsstandortes Sachsen-Anhalt in weitere Forschungsvorhaben (z. B. Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen (Julius Kühn-Institut JKI) in Quedlinburg, Helmholtz-Zentrum für Umweltwissenschaften (UFZ) Leipzig-Halle, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU)). Die voraussichtliche Gründung einer ersten Bundesarbeitsgruppe Wildrosen im Bundesfachausschuss Botanik des Naturschutzbundes Deutschland e.V. (NABU) ist ein deutlicher Hinweis auf das bestehende Interesse von Naturschutz- und Umweltschutzverbänden an der Erhaltung der biologischen Vielfalt der Wildrosen in der Bundesrepublik Deutschland. Durch die Bereitstellung öffentlicher Gelder für diese gemeinnützigen Aktivitäten können weitere Organisationen für das Netzwerk begeistert werden. Weiterer positiver Effekt der Sicherung des Standortes Sangerhausen als zentraler Anlaufpunkt für die neuartig strukturierte Rosengenbank ist die Erhöhung des Bekanntheitsgrades der weltgrößten Rosensammlung und gleichzeitig der Stadt Sangerhausen. Das Genbankkonzept birgt Potenzial für die Schaffung neuer Arbeitsplätze sowie die Ergreifung konkreter bildungs-, kultur- und umweltpolitischer Maßnahmen im Land Sachsen-Anhalt.
Gerhild Schulz
Koordinierungsstelle Genbanknetzwerk Rose
Europa-Rosarium Sangerhausen
Steinberger Weg 3
06526 Sangerhausen
Sangerhausen, Februar 2008
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