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Rosa x francofurtana in Geschichte und Gegenwart
Rosa x francofurtana has been described and named the first time by Carolus Clusius in 1583. During the centuries the name of the rose has been changed several times. Nevertheless its traces are simple to follow, because its characteristics are unique and unmistakable. In spite of this fact, the rose has lost its identity in the middle of the last century. Misinterpretation led to a confusion lasting until today.
Other roses appeared under the old name that originally was given to a very specific rose. Fortunately the true Rosa x francofurtana is still existing in many places in Europe. This rose, that has been identified by the author and by others as the right Rosa x francofurtana is introduced in this article. The reason for this identification is given by comparing each distinguishing mark of this rose with the descriptions of Rosa x francofurtana given by the early botanists.
In a second part, it is demonstrated which other varieties are mentioned in old catalogues and rose-literature and they are compared with the roses that are classified as Francofurtanas today.
Rosa x francofurtana in Geschichte und Gegenwart
Der erste, der Rosa x francofurtana beschrieb, war Carolus Clusius, der sie in seinem Werk: „Rariorum aliquot...Historia“ im Jahre 1583 um einer bestimmten Eigenschaft willen „Rosa sine spinis“, Rose ohne Stacheln nannte (S. 109).
Als 1601 eine Neuauflage der „Historia“ erschien, fügte Clusius zur Beschreibung der Rose an: “Ich sah die Rose einige Jahre später in Frankfurt am Main, in den Gärten reicher Patrizier. Manche erzählten, sie hätten die Rose auch in Weiß gesehen“ (S. 115). Bis zu diesem Zeitpunkt wird die Rose nur „Rosa sine spinis“ genannt; zu finden bspw. bei Tabernaemontanus (1588) und Gerard (1597). In den Jahren nach der Neuauflage der „Historia“ ändert sich der Name der Rose jedoch. Es mag verschiedene Gründe für den Namenswechsel gegeben haben; für uns ist heute keiner mehr als ausschlaggebend zu unterscheiden. Am plausibelsten klingt noch die einfache Verknüpfung mit der von Clusius selbst genannten Stadt. Vielleicht verband sich damit die Absicht, die Rose von anderen Rosen gleichen Namens zu unterscheiden. Vielleicht war es aber auch gerade die Diskrepanz zwischen den Vorstellungen, die der Name „Rosa sine spinis“ erweckte und der Pflanze selbst, die sehr wohl auch an den älteren Zweigen Stacheln trägt. Wir wissen nicht wer als erster den neuen Namen benutzte. In einem Gedicht aus dem Jahre 1616 heißt es: «La Rose … est plus… que celle de Francfort en beauté ses attours «( zitiert nach Bunyard 1936, S. 44). Dies scheint die älteste Quelle zu sein, in der die Rose auf Frankfurt bezogen wird. 1629 spricht Parkinson von der “Franckford Rose” Rosa Francafurtensis und gibt eine ausführliche Beschreibung.
Erstaunlicherweise konnte ich bei meinem Literaturstudium keine Quelle entdecken, in der beide Namen gleichzeitig verwendet wurden, obwohl es zu damaliger Zeit durchaus üblich war, Synonyme anzuführen; aber vielleicht findet sich dieses „missing link“ im Zuge weiteren Recherchen doch noch.
Im Jahre 1770 erhielt die Rose von Otto von Münchhausen den Namen, der bis heute nach den Prioritätsregeln des Internationalen Botanikerkrongesses von 1905 gültig ist: Rosa x francofurtana. Dieser Name hielt sich jedoch nur bis 1789, als William Aiton die Rose in seinem Werk „Hortus Kewensis“ Rosa turbinata nannte. Obwohl Aiton keine nennenswerte Beschreibung der Rose gab, war sein Einfluss in der Fachwelt doch so groß, dass die Rose während des 19. Jh. im allgemeinen Rosa turbinata genannt wurde. Von 1601 bis heute taucht die Rose noch unter den verschiedensten anderen Namen auf, je nachdem, wo und wann sie in Europa beschrieben wurde:
Rosa rubicunda Saccharina dicta; (Besler, 1613) -- Rosa purpurea francofurti; (Robin, 1623) -- Rosa inapertis floribus, alabastro crassiore, Francofurtensis quibusdam; (Hortus Regius Parisiensis, 1665) -- Zucker-Patzen und Rosier à gros cul de Franckfort; (Münchhausen, 1770) -- Rosa campanulata; ( Ehrhart, 1791) -- Tapeten-Rose; (Bertuch, 1804) -- Rosa Germanica und Kreiselrose; (Rössig, 1807) -- Rosier de Francfort; (Thory & Redouté, 1817)
Heute hat sich der alte, botanisch korrekte Name wieder eingebürgert: Rosa x francofurtana. Welche Rose allerdings berechtigt ist diesen Namen zu tragen, ist in der Fachwelt noch immer umstritten. Dies ist umso erstaunlicher, als die Rose, wie auch immer sie genannt wurde und wird, doch sehr einfach zu identifizieren ist. Ihre Merkmale sind so charakteristisch, dass sie in Beschreibungen und Abbildungen jederzeit wieder zu erkennen ist. Noch bis in die ersten Jahrzehnte des 20-igsten Jahrhunderts hinein scheint der Name mit der richtigen Rose verknüpft worden zu sein. Die Rosenliteratur der anschließenden Jahre vernachlässigt Rosa x francofurtana in der Regel oder gibt falsche Informationen über sie (Park, 1956; Steen, 1967; Krüssmann, 1974; Joyaux, 1998; Cairns, 2000). Bis heute bestehen Unklarheiten und Zweifel, welche Rose denn nun die echte Rosa x francofurtana ist, ja, manche rätseln sogar, ob sie denn überhaupt noch existiert. Dem Namen „Rosa x francofurtana“ wieder zur richtigen Rose zu verhelfen, ist das Anliegen dieser Arbeit.
Ich möchte hier eine Rose vorstellen, die von mir und anderen, als Rosa x francofutana identifiziert wurde. Durch einen detaillierten und genauen Vergleich dieser, in Skandinavien und im deutschsprachigen Raum gefundenen Rose mit den, in den historischen Texten und Abbildungen genannten und gezeigten Merkmalen, möchte ich diese Identifizierung begründen.
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Wie lange die Rose in Europa bereits existierte, bevor Clusius sie als erster beschrieb, ist natürlicherweise unbekannt und wird es wohl auch bleiben. Clusius sah diese Rose zum ersten Mal in Wien und erfuhr dort, dass sie ursprünglich aus Deutschland kam. Dr. Johann Schröter, ein damals bekannter Gelehrter, der die Rose vom Fürsten Mansfeld in Thüringen bekommen hatte, schenkte den Gelehrten in Wien Ableger seines Exemplars. Clusius, der zu den besten Kennern der Flora Europas zählte, beschrieb diese, ihm bis dahin unbekannte Rose, ausführlich in seinem neuen Werk. In der frühen Literatur nach Clusius finden wir Autoren, die seiner Beschreibung wörtlich folgen, wie bspw. Tabernaemontanus (1588) oder Dodoens (1644). Aufschlussreicher sind jedoch die Texte jener Autoren, die die Rose mit eigenen Worten beschreiben, wie bspw. Parkinson (1629). Diese ersten Schilderungen und Darstellungen der Rose dienen als Ausgangspunkt, um jedes einzelne charakteristische Merkmal der R. x francofurtana vorzustellen und zu vergleichen. Wichtig ist mir dabei eine wortgetreue Wiedergabe der Origanaltexte. Die vergleichenden Fotos, stammen von einer R. x francofurtana, die an einer kleinen Kapelle in Bayern steht.
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Die charakteristischen Merkmale der Rose
Beginnen wir mit dem Merkmal, das zum Markenzeichen der Rose wurde: die besondere Form des Kelches oder der Calyx. Clusius erwähnt dieses Kennzeichen nicht, doch bei einer genauen Betrachtung seiner Abbildung, erkennt man „die große Knospe oder den Knopf unter“ der Blume, wie Parkinson schreibt und auch in seiner Abbildung wiedergibt (1629, S. 414).
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Andere Darstellungen zeigen den Kelch noch detaillierter, wie bspw. die von Bertuch (1804) und Rössig (1807). Beide liefern auch die beste und genaueste Beschreibung vor allem der Kelchform. „Der Fruchtknoten ist unten halbkuglicht, oben mit einem Wulste, wodurch er ein kreiselähnliches Ansehen bekommt, daher man diese Rose deutsch die Kreiselrose kreiselfruchtknotige Rose nennen kann, bekannter ist sie unter dem Namen der Frankfurter Rose.“ (Rössig 1807, No 11) Die Form dieses Kelches ist tatsächlich in der Rosenwelt bis heute einzigartig und unverwechselbar. Auf ein anderes entscheidendes Merkmal des Kelches möchte ich später noch zurückkommen.
Clusius gibt auch keine Beschreibung der Kelchblätter. Wieder müssen wir seine Abbildung zur Hilfe nehmen, die uns deutlich zeigt, was Parkinson später beschreibt:
„die Blütenhülle hat lange Enden, welche der Bart der Rose genannt werden, welche bei allen anderen in einigen Teilen gezahnt sind, bei dieser jedoch überhaupt nicht“ (1629, S. 414). Dieser „Bart“ ist auch bei der heutigen Rose gut zu erkennen.
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Das bekannteste Bild der Rose, ist das von Pierre Joseph Redouté, veröffentlicht 1817 – 24. Es ist eine weit verbreitete Meinung, Redouté’s Bild zeige nicht R. x francofurtana, sondern „Empress Josephine“, seit Graham Stuart Thomas im Jahre 1955 über Rosa x francofurtana schrieb: „Im ersten Band, Tafel 127, war Rosa turbinata, Rosier de Francfort, fast identisch mit meiner ‘Empress Josephine’ bis auf den, durch den Künstler borstig oder haarig dargestellten Kelch”. (1994, S. 27)
Dieses unterscheidende Merkmal, welches Thomas klar herausstreicht, scheint von den Lesern völlig ignoriert zu werden. Zum einen beweist diese Stelle, dass Thomas tatsächlich „Empress Josephine“ und nicht R. x francofurtana in seinem Garten hatte; zum anderen ist dies ein deutliches Merkmal, um die Rose auf Redouté’s Portrait als R. x francofurtana zu identifizieren. Tatsächlich weist R. x francofurtana im Gegensatz zu „Empress Josephine“ im unteren Teil des Kelches Drüsen und Härchen auf: „...ihr Fruchtknoten ist kreiselförmig und in zwei Abschnitte geteilt, davon der obere am Kelch glatt, der untere am Stiele aber mit ganz zarten Stacheln oder vielmehr Drüschen besetzt ist. Dies ist ein unterscheidender Charakter von ihr, an dem man sie immer erkennen kann, denn keine einzige andere Rosenart hat solch einen Fruchtknoten.“ (Bertuch 1804, S. 17) 1
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Es war jedoch vor allem die, auf Redouté’s Bild dargestellte Fülle der Blüte die Thomas an der Identität der Rose zweifeln ließ. Diese wollte nicht mit dem Bild korrespondieren, das er aus anderen Abbildungen kannte: „Die botanischen Portraits der R. francofurtana in alten Büchern (abgesehen von Redouté) geben eine wesentlich weniger gefüllte und beeindruckende Rose wieder, so, wie in Jacquins’ Plantarum rariorum horti Schoenbrunnensis, Tafel 415, welche eine sehr stachelige Form zeigt.” (Thomas 1994, S. 27) Tatsächlich weist die Rose auf Jacquin’s Portrait relativ viele Stacheln auf und die Staubgefäße in der Blütenkrone sind deutlich zu erkennen. Zu beachten ist jedoch, das Jacquin’s Bild einen wesentlich größeren Ausschnitt der Pflanze zeigt als die Portraits der anderen Autoren. Ist bei ihnen gerade einmal die Blüte und ihr Stiel mit 2-3 Blättern zu sehen, so zeigt Jacquin uns einen ganzen, Blüten tragenden Zweig auf einer kräftigen, gut bestachelten Rute. R. x francofurtana ist tatsächlich, entgegen ihrer ersten Namensgebung nicht stachellos - lediglich zum Ende der Zweige hin verlieren sich ihre Stacheln. Doch zu Jacquin’s Abbildung kommen wir an anderer Stelle noch einmal zurück. Nach Sichtung der alten botanischen Portraits und einem Vergleich der alten Beschreibungen mit Redouté’s Bild, kann ich Thomas’ Urteil nicht teilen. Schauen wir uns die alten Abbildungen und die dazu gehörigen Berichte an. Beginnen wir mit Clusius (hier und alle folgenden Zitate von 1583, S. 109):
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„Am äußersten Ende der Zweige sitzen die Blüten, an länglichen, borstigen Stielen, bestehend aus einer vielfachen Zusammenfügung von Blättern [aus einem dichten Blätterbällchen], größer als bei denen aus Präneste (Damaszener-Rose), [etwa] in der Mitte zwischen jenen und den rot blühenden, mit angenehmem Duft“. Seine Abbildung zeigt eine Rose mit 4 – 5 Kränzen von Petalen. Schauen wir noch weiter zu Gerard und Parkinson. Auf Parkinson’s sind sowohl die Damaszener-, als auch die Franckford Rose zu sehen (1629, S. 415, Abb. 1 und 3). Beide Rosen sind gefüllt, lassen in der Mitte allerdings noch etwas von den (auch bei Clusius dargestellten) Staubgefäßen aufblitzen. Beachten wir dazu Gerard’s Aussage, der die Rose vermutlich auch in natura gesehen hatte und sie nicht nur aus Clusius’ “Historia” kannte (vielleicht wuchs sie bereits in seinem Garten in Holborn); jedenfalls ist seine Beschreibung in einzelnen Punkten detaillierter als Clusius’ Aufzeichnungen. Er streicht heraus, dass die Blüte größer als die der Damaszener-Rose ist, gefüllter als diese, farblich zwischen der Roten und der Damaszener stehe und von süßestem Duft sei (vgl.1597, S. 1261). Parkinson schreibt über R. x francofurtana: „ Die Blüte oder Rose selbst ist üppig und füllig, wie die Rote-Rose, allerdings schwellen die Knospen so stark, dass viele der Blüten verderben, bevor sie aufblühen können, dann sind sie von blassroter Farbe, zwischen der Roten- und der Damaszener-Rose“ (1629, S.414). Rössig bestätigt diese Aussage: „Die Blume ist stark gefüllt, und wird unter günstigem Stande, wenn sie nicht so sehr trocken und unten etwas von anderen Gewächsen beschattet stehet, aber oben frey ist, sehr groß. Sie ist etwas dunkelrosenroth, und spielt in den Purpur und zuweilen etwas ins Violett“ (1799, S. 193). Sogar Thory (1817), der den begleitenden Text zu Redouté’s Aquarellen schrieb, hebt hervor: „ die Blütenkrone ist immer gefüllt, jedoch nie voll.2
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Sich dem Volumen der R. x centifolia nähernd, allerdings dunkler“ (zit. nach Dickerson 1999, S. 198). Einheitlich beschreiben alle Autoren die üppige Füllung der Blüte, ganz so, wie Redouté sie darstellt und sie auch von Bertuch und Rössig sehr genau getroffen wurde. Diese Beschreibungen stimmen auch vollkommen mit den Blüten überein die ich seit Jahren an den gefundenen R. x francofurtana beobachten kann. Die Füllung und Größe der Blüten variiert dabei natürlich je nach dem Zustand der Pflanze. Nehme ich jedoch Stecklinge oder Wurzelableger und setze sie in gute Erde, so erziele ich jedes Mal Blüten von der schönsten Größe und Füllung ganz wie Rössig es beschreibt. Für mich besteht daher kein Zweifel: Redouté bildete tatsächlich R. x francofurtana und nicht „Empress Josephine“ ab. Ich fürchte Thomas’ Äußerungen haben maßgeblich dazu beigetragen die echte R. x francofurtana in Vergessenheit geraten zu lassen. Ist es nicht erstaunlich, dass Shepherd 1954, ein Jahr vor dem Erscheinen von „Old Shrub Roses“, noch ganz selbstverständlich R. x francofurtana aufführt und beschreibt, 2 Jahre später jedoch, 1 Jahr nach „Old Shrub Roses“ in „Collins Guide to Roses“ (1956) unter R. francofurtana bereits auf „Empress Josephine“ verwiesen wird. Wurde dadurch auch Rosa x francofurtana aus den Büchern verdrängt, sie in den Gärten durch „Empress Josephine“ zu ersetzen, gelang nicht.
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Variiert die Rose schon in Größe und Füllung der Blüte, so tut sie dies in der Farbe noch umso mehr. Allein schon bei den Abbildungen stechen die Farbunterschiede ins Auge, mehr noch, wenn man Pinhas’ Portrait (1815, Abb. 16) der Rose hinzu nimmt. Hat man die Rose jedoch über Jahre hin an verschiedenen Standorten und in verschiedenen Altersstadien erlebt, so erkennt man ohne Schwierigkeiten die naturgetreue Farbgebung in allen Portraits wieder. Shepherd wusste dies ebenfalls: „obwohl sie (die Blüten, A.d.A.) beträchtlich in der Farbe variieren, ist ein Anflug von Violet charakteristisch.“ (1954, S. 104) Übrigens sind Wandlungen in der Farbe ein Phänomen, welches nicht nur R. x francofurtana kennzeichnet. Das Variieren der Farbe, je nach Temperatur, Düngung, Standort und Alter, ist ein Hindernis, welches bei der Identifizierung von Rosen regelmäßig zu überwinden ist. Für mich bestehen daher auch keine Zweifel, dass die von Pinhas abgebildete Rose, die ein sehr helles Rosa aufweist, ebenfalls die echte R. x francofurtana ist.
In der neueren Literatur wird die Rose hin und wieder als duftlos beschrieben, jedoch schon Clusius schreibt von dem „angenehmen Duft“ der Rose und Parkinson präzisiert: „der Duft ist der roten Rose am nächsten“ (1629, S. 414). Nicht zuletzt ist es dieser Duft, der die Landfrauen auch heute noch bewegt, sich Ableger dieser besonderen Rose in den Garten zu holen. Die heute im Handel als „R. x francofurtana“ angebotene Gallica „Splendens“ hat tatsächlich kaum einen Duft aufzuweisen; evtl. hat sie zu diesem Urteil beigetragen. Wie sie zu dem Pseudonym R. x francofurtana gekommen ist, konnte ich bislang noch nicht recherchieren. Vielleicht spielen auch hier Thomas’ Überlegungen eine Rolle.
Die aus den Blüten hervorgehenden Früchte „sind klein, dick, beinahe rund, zur Reifezeit rot und enthalten ungleiche, in Härchen eingehüllte Körner,“ schreibt Clusius. Bertuch stellt dazu fest: “...trägt aber selten Frucht, weil sie zu sehr gefüllt ist“ (1804, S. 17). Diese Feststellung stimmt mit meinen Beobachtungen überein, wobei ich mir nicht sicher bin, ob wirklich die Blütenfülle oder nicht eher die Hybridform Ursache der raren Fruchtbildung ist.
Wenden wir uns den anderen typischen Merkmalen der R. x francofurtana zu:
einige davon hat sie mit ihren wilden Vorfahren gemein, bspw. die unzähligen Stacheln und Borsten an den jungen Trieben. Rosa majalis und Rosa pendulina treiben in gleicher Weise aus, sich mit diesem dichten Stachelkleid vor Verbiss schützend. Clusius berichtet lediglich, dass die vielen Ruten meistens mannshoch sind, „biegsam und ohne Stacheln, kräftig grün, sich verzweigend.“ Parkinson ergänzt bereits: „Die jungen Triebe dieser Rose sind mit einer rötlichen Rinde versehen, besetzt mit zahlreichen kleinen Stacheln, gleich Haaren und die älteren haben nur sehr wenige Dornen.“ (1629, S. 414) Und Münchhausen bestätigt: „Die jungen Triebe haben unzählige Stacheln, welche Haaren gleichen, und sich, wenn die Zweige älter werden, verlieren“ (1770, S. 288).
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Auch die Blätter dieser Rose sind charakteristisch. Ins Auge sticht vor allem die unterschiedliche Farbe zwischen Ober- und Unterseite. Clusius schreibt über sie: „Die Blätter sind gefiedert, je drei oder fünf sitzen an einem Stiel (welcher etwas rau ist), immer je zwei gegenständig, das letzte unpaarig, recht groß, auf der Oberseite dunkelgrün glänzend, auf der Unterseite weiß-grau werdend“. Auch hier wird Gerard etwas genauer: „...Blätter wie die der Holland-Rose, von glänzendem dunkelgrün auf der Oberseite und irgendwie weißlich und haarig unterseits.“ Auf die markante Aderung und die ausgeprägte Zahnung machen sowohl Rössig als auch Thory (1828) aufmerksam: „...die grünen Blätter sind eyförmig nach vorne zugespitzt, groß gezahnt, ... stark genervt, gerippt und geädert“ (Rössig, 1807, No. 11). Sehr genau abgebildet findet sich das Blatt in Ernst Sagorski’s „Rosen der Flora von Naumburg“ (1885, Tafel IV). Die bemerkenswerten Nebenblätter sind ein deutliches Erkennungsmerkmal: Sie sind „...geschweift, groß und hoch heraufgehend, nach der Spitze zu bauchig geschweift, und ganz mit roten Drüsen besetzt, die lanzettförmige breite Spitze steht ganz los und aufrechts“ ( 1799, S. 195). Mit diesen Worten schildert Rössig sehr treffend und anschaulich die besondere Form der Nebenblätter.
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Die natürliche Wuchsform der Rosa x francofurtana, immer abhängig vom Standort, ist i.d.R. die eines Strauches. Da es bis zum Ende des 18. Jahrhunderts in Europa noch keine wirklichen Kletterrosen gab, wurden hochwüchsige Sorten, wie bspw. Rosa x francofurtana, aber auch Majalis- und Alba- Rosen gelegentlich wie Kletterrosen an Holzgestellen spaliert. In Deutschland wurde Rosa x francofurtana als solche Spalierrose bekannt und beliebt, nachdem Johann Wolfgang von Goethe sie nutzte, um mit ihr sein Gartenhaus in Weimar zu bekleiden. Damit die Wände des Hauses bis unter das Dach berankt waren, musste die Rose eine Höhe von 5 m erreichen. Wie war das möglich ? Alle Autoren hatten zuvor ihre Wuchshöhe mit ca. 1,8 m angegeben. Clusius berichtete: „Die erste wächst gleich von der Wurzel weg mit vielen Ruten in die Höhe, die meistens mannshoch sind.“ Gerard präzisierte bereits auf ein festes Maß: „ die sich verzweigenden Triebe von zwei bis drei ‚cubites’ Höhe ...“, was fast 1,8 m entspricht. Wuchs in Weimar vielleicht eine besonders hoch wachsende Sorte der Francofurtana ? Eine Francofurtana scandens, wie manche vermuten ?
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1804 erklärte Bertuch in seinem Beitrag zum Allgemeinen Teutschen Garten-Magazin: „...weil keine Rosenart sich so hoch ziehen lässt ...Sie steigt bei gutem Stande, Boden und Wartung an einem Espaliere 12, 16 ja bis 18 Fuß hoch“ , was ca. 4,8 m beträgt. In diesem Aufsatz über den „Rosenmantel“ gab er der Francofurtana auch den Namen „Tapetenrose“, der bis heute noch für sie verwendet wird (1804, S. 17).
Es bleibt die Frage, ob die heute als R. x francofurtana angesprochene Rose tatsächlich die von Goethe verwendete Spalierrose ist. Beobachtet man sie an den aufgefundenen Standorten, so fällt ihr hoher Wuchs ins Auge. Gut 2,5 m als Strauch, gut 3 m an kleinen Kapellen und über 4 m in dichtem Gebüsch beim Kampf um das Licht. Anzumerken ist hier, dass eine offensichtliche Strauchrose heute auch als solche kultiviert wird. Die Besitzer berichteten mir immer wieder von ihren Maßnahmen, um ein ausuferndes Wachstum zu verhindern. Auf der anderen Seite hat sich im ländlichen Raum auch das Wissen über das Ziehen von Pflanzen an Spalieren recht gut erhalten, wie das Bild von der „Alba-Maxima“ am Mesner-Haus in Urschalling zeigt. Es gibt uns vielleicht eine Vorstellung, wie die Francofurtana am Hause Goethes ausgesehen haben mag.
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Aus welchen Arten die Hybride R. x francofurtana hervorgegangen ist, ist bis heute noch nicht geklärt. Endgültige Sicherheit über die Abstammung wird wohl erst eine molekularbiologische oder eine genetische Analyse bringen. Bis dahin sind wir, um eine Zuordnung zu treffen, auf die Merkmale des Phänotyps angewiesen.
Bereits 1799 zitiert Rössig Lueder, der, wie auch einige andere Botaniker, Rosa gallica als ein Elternteil der Rosa x francofurtana nennt. Heute sind sich die Experten einig, dass es sich um eine Naturhybride zwischen einer Gartenform von R. gallica und R. majalis oder wie einige glauben R. pendulina (Beales, 1997) handelt. Sowohl R. pendulina als auch R. majalis zeigen die zahllosen borstigen Stacheln an den Jungtrieben und alle drei Rosen sind, wie R. x francofurtana selbst, berüchtigt für ihre kaum zu bremsende Ausbreitung durch Wurzeltriebe. Clusius schreibt: „Die Wurzel ... treibt meist unter der Erde Ableger nach allen Seiten.“ Vergleicht man R. x francofurtana mit den beiden Wildarten und mit frühen Gartenformen der R. gallica so bestätigen sich diese Annahmen, wobei für mich eine Elternschaft durch Rosa majalis wahrscheinlicher ist.
Thomas’ Vermutung, dass die Hybridisierung „sich immer mal wieder auf dem Kontinent ereignete“ (1994, S. 27) ist auch für mich sehr naheliegend. Es ist durchaus möglich, dass diese Kreuzung im Lauf der Jahrhunderte nicht nur einmal auftrat. Alle drei genannten Rosenarten waren in den Gärten des 16. und 17. Jahrhunderts häufig vertreten, so wie es R. x francofurtana in den heutigen Gärten noch ist. Ob ich Freunde in Ingolstadt oder am Ammersee besuche, ob ich Urlaub in Österreich mache oder heimfahre ins westfälische Paderborn, überall lässt sich die Rose für den aufmerksamen Beobachter auffinden, wie auch Gerda Nissen sie für Dithmarschen nachgewiesen hat. Auch in Sangerhausen steht sie noch, allerdings unter einem anderen Namen. Darüber, warum diese Rose heute im Gegensatz zu ihren Hybriden noch so weit verbreitet ist, lässt sich nur spekulieren. Sie zählt neben der Alba ‚Maxima’, der Centifolia ‚Major’ und der Damaszener ‚Celsiana’ zu den am häufigsten zu findenden historischen Rosen. Vielleicht war sie schon weit verbreitet, bevor der Rosenhandel Anfang des 19. Jahrhunderts so richtig in Schwung kam. Thory berichtet bereits 1817, dass die Rose sich in den Wildrosenbündeln befand, die aus entfernten Departements auf den Pariser Markt kamen. Dieser Umstand könne durchaus darauf hindeuten, dass die Rose auch in Frankreich wild anzutreffen sei. (zitiert nach Joyaux, 1998). Auf Grund der bereits genannten Eigenschaften und ihrer Robustheit wird sie hier in Bayern von manchen Bäuerinnen auch heute noch als „Wildrose“ angesprochen. Für mich ist ihre weite Verbreitung ein weiteres Indiz für die Echtheit dieser Rose. Es ist beruhigend zu wissen, dass Rosa x francofurtana an so vielen verschiedenen Orten überlebt hat. Sie ist eine wirklich lebensfrohe und vor allem harte Rose, mit einem speziellen Charme, der die Menschen immer wieder dazu bewegt sie in ihre Gärten zu holen. Ich hoffe dieser Charme wird seinen Reiz nie verlieren.
Andere, der Francofurtana zugeordnete Sorten
Wenn wir die alten Kräuterbücher und die ersten botanischen Werke durchstöbern wird schnell deutlich, dass vor 1800 keine weiteren Francofurtana Sorten genannt werden. Eine Ausnahme gibt es allerdings: Die von Clusius selbst beschriebene zweite Art, die sich bei keinem späteren Autor wieder finden lässt: “Rosa sine spinis altera“. Mit nur einem Satz beschreibt er diese zweite Sorte: „Es gibt auch noch eine zweite Art mit ganz ähnlichen Zweigen, die kleinere Blüten hervorbringt, die aus einem lockereren Blütenball bestehen, farblich etwa wie der Bodensatz von Rotwein.“
Wie bereits erwähnt, veröffentlicht Nicolaus Joseph von Jacquin 1797 das Porträt einer Rose mit der Bezeichnung ‚Rosa turbinata’, das im Schönbrunner Garten bei Wien entstand. Bekanntlich hatte Clusius beide Francofurtana-Sorten dort zum ersten Mal gesehen und beschrieben. Wie wir wissen, war es u.a. dieses von Jacquin gefertigte Porträt, auf dem ein gut bestachelter Zweig und relativ gering gefüllte Blüten zu sehen waren, welches Graham Stuart Thomas zu seinem fragwürdigen Urteil bewog. Könnte es sein, dass Jacquin die zweite Francofurtana-Sorte porträtiert hatte ? Die auf seinem Bild gezeigte Kelchform würde darauf hindeuten, sie zeigt im Gegensatz zu der ersten Sorte im oberen Teil keinen Wulst sondern eine Einschnürung und der Kelch ist vollkommen kahl. Jacquin porträtierte die gleiche Rose einige Jahre später (1809), weil sie plötzlich einfache Blüten trug. Auffällig bei diesem zweiten Portrait ist die dunkle Farbgebung der Blüte. Man kann sie nicht besser beschreiben als mit Clusius eigenen Worten: „... etwa wie der Bodensatz von Rotwein“.
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Sirkka Johanoja, eine finnische Rosenexpertin, die sich ebenfalls auf Rosa x francofurtana spezialisiert hat, berichtet von Rosen, die in Finnland häufig unter dem Namen „Elokuu“ zu finden sind: „Sie sind anspruchslos und wachsen sogar in Nordfinnland. Die Blumen sind ziemlich klein und die Farbe ist mehr rot als bei den anderen Typen. Die Blumenkronenblätter sind sehr dünn, und beim Regen blühen die Knospen nicht richtig auf. Die Fruchtknoten (Fruchtboden) und später die Hagebutten sind kahl. Hagebutten gibt es selten. Der Strauch ist kompakt.“ (2005)
Seit dem letzten Winter wachsen drei Exemplare dieser Sorte im „Trostberger Rosengarten“ und haben in diesem Sommer bereits geblüht. Auf den ersten Blick hat diese Rose tatsächlich eine große Ähnlichkeit mit der „Tapetenrose“. Das Laub wirkt in Farbe, Aderung und Zahnung ganz wie eine Francofurtana, auch die Unterseite ist wie bei dieser entlang der Adern sehr fein behaart und wirkt dadurch grau. Untersucht man die Rose genauer, fallen die Unterschiede auf: Das Blatt ist wesentlich dünner und zarter. Wenn man in einer Hand ein Blatt der Francofurtana hält und in der anderen eines von „Elokuu“, so drängt sich einem der Vergleich zwischen Küchenrollen- und Schreibpapier auf. Die Blüten sind leichter, der Fruchtknoten glatt und schlanker als bei der Francofurtana. Ob sich hinter „Elokuu“ tatsächlich die zweite, von Clusius beschriebene, Sorte verbirgt wird offen bleiben - zu spärlich sind die Informationen, die wir von Clusius erhalten haben.
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Am Anfang des 19. Jahrhunderts, als das Bürgertum zu Geld und Ansehen gelangt war und im Biedermeier die Gestaltung des häuslichen Gartens wichtig wurde, wuchs auch der Markt für Rosen. Verfolgt man die explosionsartige Vermehrung der Rosensorten innerhalb nur weniger Jahre in alten Listen und Katalogen, so gewinnt man den Eindruck, neue Sorten heraus zu bringen sei eine Art Sport unter den Rosenzüchtern und Rosenschulen jener Zeit gewesen. Unzählige neue Sorten erschienen auf dem wachsenden Markt. Ich bin jedoch sicher, dass nicht wenige der bereits existierenden alten Sorten, die bis zu diesem Zeitpunkt nur mit einem beschreibenden Namen in den Katalogen und Listen geführt wurden, unter anderen, phantasievolleren Namen wieder neu in den Verkauf gelangten. Es ist daher nicht leicht, eine Rose über diesen revolutionären Wendepunkt der Rosengeschichte hinweg in die Vergangenheit zu verfolgen. Ab diesem Zeitpunkt tauchen zunehmend verschiedene Francofurtana-Sorten und Hybriden in den Katalogen und Büchern auf.
Empress Josephine und Agatha
Am spannendsten ist es sicher, zuerst nach den Ursprüngen der Rose zu suchen, die lange Jahre hindurch als R. x francofurtana gehandelt wurde: „Empress Josephine“ oder auch „Impératrice Joséphine“. Doch leider werden wir enttäuscht, da ihre Entstehung noch immer im Dunkeln liegt. Joyaux (1998) nimmt an, dass es sich um einen von Descemet gezogenen und benannten Abkömmling der R. x francofurtana handelt, da die Rose 1819 im Katalog des Descemet Nachfolgers Vibert auftaucht. Descemet war ein großer Verehrer Joséphines und ihr regulärer Lieferant. Ob er die Rose jedoch selber zog, oder nur eine bekannte Rose umtaufte, ist unsicher. Andere Autoren gehen davon aus, dass der Name „Empress Josephine“ älter als der französiche Name ist und die Rose in England ihren neuen Namen erhielt. Wie auch immer, die Umbenennung einer bereits existierenden Rose ist am wahrscheinlichsten. Welche Rose dabei einen neuen Namen erhielt und von wem, ist nicht mehr zu eruieren, vielleicht Rosa turbinata humilis die 1804 in Reicherts Katalog aufgeführt ist. Erstaunlich ist, dass die alten Beschreibungen der Päonienrose sehr genau auf „Empress Josephine“ zutreffen. „In der Mitte lebhaftrosenroth, am Rande lichter, bei 3 Z. (7-8cm) br. Ziemlich gefüllt; Die innern Blätter sind etwas stehend, theilweise gerollt, und bilden so die schöne Form einer Poeonie; Fruchtk. Kreiselförmig dick, kurz, glatt“ (Nickels, 1845, IV u. V, S. 42). Von den drei bei Jäger unter dem Namen „Impératrice Joséphine“ (1960, S. 375) zu findenden Rosen, wird keine als Francofurtana klassifiziert und auch keine der Beschreibungen trifft auf die heutige „Empress Josephine“ zu.
Die Formen „Agatha“ und „Empress Josephine“ sind sich in Blütenfarbe und Form sehr ähnlich. Das Laub mit kräftigen Adern, deutlicher Zahnung und behaarter Unterseite entspricht ganz einer Francofurtana, der Fruchtknoten - groß und breit - wirkt fast klobig und unterscheidet sich darin und durch seine glatte Oberfläche von dem der Tapetenrose. „Agatha“ und „Empress Josephine“ scheinen auf Grund ihrer Ähnlichkeit des öfteren verwechselt zu werden. Thomas schreibt dazu: „Der Duft lässt bei „Empress Josephine“ zu Wünschen übrig, aber in der Form „Agatha“ ist er so süß und kräftig wie nur möglich; die Blüten dieser Form sind irgendwie kleiner, weniger klar in der Form und von dunklerem Ton. „Agatha“ ist von kräftigem Wuchs und erreicht bis 2 m Höhe, während „Empress Josephine“ ein niedriger Busch ist, der nur langsam zu einer ansehnlichen Pflanze von bis zu 1,3 m heranwächst“ (1994, S. 27). Leider gibt es zur Charakteristik der Wuchshöhe keine Vermerke in den historischen Katalogen und Beschreibungen, so dass in dieser Hinsicht keine Vergleiche mit älteren Sorten vorgenommen werden können.
Es ist erstaunlich, keine dieser beiden Rosen als Francofurtana oder Turbinata in den Listen von Keller (1833), Gore (1838) oder Nickels (1845) klassifiziert zu finden. 1811 beschreibt Guerrapain eine Rose, bei der weder die Zweige, noch die Blätter in irgend einer Weise auffallend sind: „Die Kelchblätter, rund und glatt, umschließen und krönen die Knospe, welche groß und flach ist. Die stark gefüllte Blüte, ca. 7,5 cm im Durchmesser, ist blassrosa mit weiß; die Blütenblätter gekräuselt und zerfleddert; duftend und mit lang haltender Blüte“ (zitiert nach Dickerson, 1999, S.87). Er nennt sie „Frankfort Agathé“. Nickels berichtet von einer “Rosa agatha de Francfort” (1845, IV u. V, S. 82). Sie sei sehr schön, von gutem Geruch, die Blüte rosenrot, ca. 6,5 cm im Durchmesser, stark gefüllt und häufig in Dolden blühend. Ebenso wie Guerrapain führt er die Rose unter der Klasse der Agathe-Rosen. Eine „Agathe Francfort“ findet sich auch in Jägers Rosenlexikon (1960, S. 278) als Provinsrose klassifiziert, mit dem einzigen Vermerk: kirschrot. Ob diese beiden mit der von Guerrapain genannten Rose identisch sind, ist sehr unsicher. Heute wird die „Agatha“ (francfort) in Katalogen, aber auch in der Literatur, häufig mit der Gallica-Rose „Agathe“ verwechselt.
Ancelin
Étienne Noisette schrieb über diese Rose: “Eine Hybride der Francofurtana. …in Dolden von 5 –7 Blüten, auf kräftigen Stengeln, rot, gefüllt, groß und sehr schön. Ich zog sie 1828 aus Samen“(zitiert nach Dickerson, 1999, S. 199). Diese Rose wird ebenfalls bei Keller, Gore, Nickels und Prince (1846) geführt. Jäger (1960) listet sie als Centifolie. Nach Aussage von Etienne Bouret (2005) steht diese Rose heute noch in l’Hay, allerdings als Chinensis-Hybride und - wie es scheint - als letzte ihrer Art.
Die Neue Päonienrose
1828 bietet Wilhelm Keller in seinem Katalog unter der Klasse der Frankfurter- oder Kreiselrosen eine Rose mit dem Namen „Die neue Päonienrose“ an. Er beschreibt sie als „groß, ausgebreitet, rosenroth, gefüllt“. Fünf Jahre später findet sie sich weiterhin in seinem Angebot, nun unter dem Namen „Die große Päonienrose“ und wie folgt beschrieben: „Sehr dicker kurzer kreiselförmiger glatter Fruchtknoten. Blume gross, lebhaft rosenroth im Centrum, hellrosa am Rande“ (1833, S. 39). Gore (1838) ist eine der Nächsten, die diese Rose beschreibt. Sie nennt sie „Dutch Paeony-Rose or Grand Pivoine“ und folgt der Beschreibung aus Keller’s Katalog. Nickels nennt die Rose “Rosa turbinata poeoniaeflora”; seine Schilderung haben wir oben bereits gelesen. In Jäger’s Rosenlexikon wird sie auch 1960 noch als Turbinata geführt (S. 567).
Dies sind die einzigen Quellen, in denen ich die Päonienrose als Francofurtana fand. Andere Autoren führen eine Gallica „Pivoine des Hollandais“ wie bspw. Dickerson (1999, S. 60). 1984 veröffentlicht Gerda Nissen ihr Buch über Fundrosen aus Dithmarschen. Eine der Rosen entspricht so sehr der Beschreibung, die Nickels von der Päonienrose gibt, dass sie entscheidet, diese Rose „Päonienrose“ zu nennen. Sie ist heute noch unter diesem Namen im Handel, obwohl sich ihre Blütenform mit zunehmendem Alter der Pflanze änderte. Sie bildete in der Mitte ihrer Blüten dicke grüne Knoten.
Die große Mohnkopfs-Rose
Rössig (1799) berichtet: „Diese Rose gibt Herr Prof. Mönch als eine zu Weißenstein aus dem Samen der Rosa Gallica entstandene Abart an,“ (S. 182). Aus diesem Grunde klassifiziert auch er sie als Gallica und nennt sie “große Gallische Mohnrose”. Das Porträt in seinem Werk “Die Rosen” (1807, No. 31) zeigt eine sehr große, leuchtend rote, stark gefüllte Rose, deren Kelch keinerlei Ähnlichkeiten mit denen einer Francofurtana zeigt. Ich weiß nicht, warum diese Rose später als Francofurtana klassifiziert wurde. Bereits Keller tat dies, Nickels und Gore ebenso. Während Nickels’ Beschreibung noch Ähnlichkeiten mit Rössig aufweist, scheint Gore eine andere Rose zu meinen. Sie spricht von einer halbgefüllten Blüte.
Heute wird die Mohnkopfs-Rose oder Poppy-rose von Dickerson noch immer als Francofurtana eingestuft. Diese Rose hat ihren Namen übrigens nicht auf Grund irgendeiner Ähnlichkeit mit der Mohnblüte erhalten; es war vielmehr die Mohnkapsel, die Rössig zu diesem Namen inspirierte: „Die Kelchabschnitte liegen bei dem Aufblühen der Blumen an, da sie durch die Lage und Stellung ihrer Blätter einem gefüllten Mohnhaupte ähnlich sehen, so hat sie daher den Namen, Mohnrose“ (1799, S. 183).
Valérie
Als Francofurtana klassifiziert fand ich diese kleine Rose lediglich bei Keller (S. 39), Gore (S. 167) und Nickels (S. 42).
Jäger (S. 722) listet diese Rose als Centifolia, 1840 von Prévost eingeführt. Ihre typischen Merkmale sind die kleinen Blüten (ca. 3,5 cm) und die kleinen Blätter. Anderswo war sie nirgends aufgeführt und heute scheint sie zu den verlorenen Rosen zu gehören.
Aimable Eléonore/ Liebenswürdige Eleonore
Hier findet sich die gleiche Situation wie zuvor. Die Rose ist nur in den schon bekannten Quellen zu finden. Keller erwähnt sie in seinem 1833er Katalog und beschreibt sie als „mittelgross, lebhaft dunkelrosa oder hellkirschrot, gefüllt“ (S. 39). Gore gibt die gleiche Beschreibung der Blüte, ihre Beschreibung der Blätter lässt die typischen Merkmale der Francofurtana erkennen. Nickels fasst sich am kürzesten, gibt allerdings ein genaues Maß für die Blüte: 2 1/2 Zoll was ca. 7,5 cm entspricht (1845, IV u. V, S. 43). Jäger listet eine Rose dieses Namens, die auch den obigen Beschreibungen entspricht, als eine von Coquerel eingeführte Centifolie auf. Heute scheint sie nicht mehr zu existieren.
Auf die Nennung sämtlicher, in alten Katalogen und Rosenbüchern aufgeführten Frankofurtana Abkömmlinge, verzichte ich hier, da bei manchen Sorten die Zeugnisse einfach zu spärlich sind. Einige Autoren und Rosenliebhaber fügen auch “Minette” in die Gruppe der Francofurtana-Rosen ein. Schaut man jedoch genauer hin, vor allem auf das Laub, so wird der Unterschied schnell deutlich.
Dabei wirft sich natürlich die Frage auf, woran denn die Francofurtana-Rosen überhaupt fest zu machen sind. Das Markenzeichen dieser Gruppe, der vergrößerte Kelch alleine, ist sicher nicht ausreichend zur Identifizierung. Es gibt eine große Zahl an Hybrid-Rosen, die dieses Merkmal ebenfalls aufweisen, wie bspw. Rosa x rapa; auch die „Perle von Weissenstein“ besitzt einen bemerkenswerten Kelch. Im Grunde ist die Gruppe der Francofurtana sehr klein und begrenzt, da es sich ausschließlich um Hybriden aus der R. gallica mit R. majalis oder R. pendulina handelt. Und viele von ihnen scheinen aus eben diesem Grunde zum verwechseln ähnlich. Solange keine Gen-Tests durchgeführt worden sind, sind wir noch immer auf genaue Beobachtung und Beschreibung des Phänotyps angewiesen, wie bei allen anderen Rosen auch, deren Eltern wir nicht kennen; dabei muss immer auch mit Fehlern gerechnet werden. Kein Wunder, wenn man sich vorstellt, dass eine Kreuzung zwischen den genannten Arten nicht nur einmal stattgefunden haben mag, sondern sich im Lauf der Gartengeschichte evtl. wiederholte.
Die Geschichte der Rosa x francofurtana verlief seit ihrer Erstbeschreibung im Jahre 1583 bis zur Mitte des vergangenen Jahrhunderts mit erstaunlicher Kontinuität, trotz der zahlreichen Synonyme, die sie in verschiedenen Ländern und Zeiten erhielt. Erst die falschen Vermutungen von Graham Stuart Thomas im Jahr 1955 ließen die Rosenwelt in Zweifel und die echte Rosa x francofurtana in Ungnade fallen. Glücklicherweise jedoch nur in der Welt der Rosenfachleute, bei den Bäuerinnen und Gärtnerinnen behielt sie ihren angestammten, seit Jahrhunderten wohlverdienten Platz. Die heutige terminologische Verwirrung bei den wenigen rezenten Sorten wird sich wohl nur mit Hilfe einer vergleichenden Pflanzung und einer sorgfältigen Sichtung der Literatur lösen lassen. Mit dem vorliegenden Zwischenbericht und meiner Arbeit im „Trostberger Rosengarten“ habe ich hiermit den Anfang dazu gemacht.
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