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Erhaltung und Beschreibung der Rosenvielfalt – Lösungsansätze
von Christiane Frost, Thomas Gladis, Maritta Protte, Karin Schade
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Wir wissen wenig über die Entstehung der Kulturrosen. Gewiß ist jedoch, daß Rosen schon im alten Persien, in Griechenland und Rom gepflegt und dort hoch geschätzt wurden. Ob Sorten aus jener Zeit bis in unsere Tage überlebt haben, vermag niemand mit Sicherheit zu sagen. Der Siegeszug der heute so beliebten Gartenpflanzen basiert auf der Einfuhr weniger, um 1750 nach Europa gebrachter orientalischer Rosen, deren Kultur sich mehr als 1.000 Jahre zurückverfolgen läßt (Quest-Ritson 2004). Die heute bekannten Rosenklassen entstanden durch Kreuzungen dieser exotischen, der heimischen und auch asiatischer bzw. amerikanischer Wild- und Kulturrosen. Lang ist die Reihe namhafter Rosenzüchter, unüberschaubar sind die Listen der jemals gezüchteten und beschriebenen Rosen, zahlreich sind die Rosengärten mit ihren jeweiligen Sammlungskonzepten, und aus jeder Epoche sind Versuche überliefert, diese ständig um neue Formen reicher werdende Vielfalt zu ordnen und zu systematisieren – doch nicht einmal zur Klasseneinteilung gibt es eine einheitliche Meinung.
Jeder Sammler weiß um die Problematik der Etikettierung lebender Pflanzen, die zudem oft gern Ausläufer treiben. Mit der Veredlung der Rosen wird vorübergehend Abhilfe und gleichzeitig ein neues Dilemma geschaffen: Viele Eigenschaften werden von der Unterlage stärker bestimmt als von dem Edelreis. Auch die Dokumentation erweist sich als äußerst schwierig. Rein verbale Beschreibungen genügen in den seltensten Fällen. Gute Zeichnungen und qualitativ hochwertige Fotos, die einen objektiven Vergleich ganzer Pflanzen und aller Details vom Austrieb bis hin zu den Früchten ermöglichen, wer kann das schon vorweisen? Welche Rosensammlung verfügt gar über ein vollständiges Herbar? Jeder Rosengarten hat ein Konzept, doch die wenigsten widmen sich einer systematischen Sammlung im Sinne der Erhaltung und Charakterisierung, wie sie in den staatlichen Genbanken für landwirtschaftliche und gärtnerische Kulturpflanzen erfolgt. Für die bis heute vernachlässigten Zierpflanzen haben die meisten Genbanken kein Mandat und werden auf unabsehbare Zeit auch keines erhalten. Insofern bleibt der formale Sektor weit hinter den an die Unterzeichnung der Biodiversitätskonvention gebundenen Verpflichtungen und Erwartungen zurück.
Dessen ungeachtet arbeiten die Rosenzüchter unentwegt an der Entwicklung neuer Sorten, die dem Zeitgeschmack entsprechen und den Anforderungen der gärtnerischen Praxis genügen müssen, die einem imaginären Ideal immer näher kommen oder gar eine neue Rosenklasse begründen sollen. Der Ruf eines Züchters und auch sein wirtschaftlicher Erfolg hängt davon ab, welchen Marktanteil er mit überzeugenden, möglichst sogar prämierten Sorten erobern kann, die frohwüchsig sind, trockenresistent und winterhart. Von modernen Rosen wird erwartet, daß sie unter möglichst vielen Boden- und Klimabedingungen gleich gut gedeihen. Sie sollen anspruchslos sein und nicht unter Pilzinfektionen leiden. Natürlich müssen diese Neuzüchtungen auch blühfreudig sein und sollten ihren Flor während der gesamten Gartensaison immer aufs neue entfalten. Ein Schwerpunkt der gegenwärtigen Rosenzüchtung sind Schnittrosen. In Deutschland gibt es jedoch unter den über 100 Rosengärten keinen einzigen, dessen Sammlungsschwerpunkt auf dieser Gruppe liegt, jenen Rosen, die im Handel nicht einmal unter ihren Sortennamen erscheinen. Gering ist das Interesse der Züchter an älteren eigenen und viel mehr noch an wirklich alten und historischen Sorten, sofern sie nicht als Ausgangsmaterial für eine Neuzüchtung infrage kommen. Doch es gibt nicht wenige Liebhaber alter und historischer Rosen, die sich professionell mit den eher vernachlässigten Rosen beschäftigen, die ihre Funde exakt dokumentieren, systematisieren und somit wesentlich zur besseren Kenntnis und Erhaltung der Vielfalt beitragen.
Bei der Neu- oder Umgestaltung von Gärten und Parks wird zumeist auf das gerade erhältliche Sortiment zurückgegriffen. Wenige Händler nutzen die Marktnische, alte und historische Sorten anzubieten. Auch aus der größten Rosensammlung der Welt, dem Europa-Rosarium in Sangerhausen, können interessierte Laien und Sammler nur in Ausnahmefällen ganze Spezialkollektionen erhalten. So hat sich beispielsweise das Rosennetzwerk [1] im Rahmen bilateraler Vereinbarungen mit Sangerhausen verpflichtet, Sicherheits-Duplikate von Teilsortimenten zu übernehmen und sie als Vergleichsanbauten möglichst wurzelecht aufzupflanzen. Mittlerweile stehen in Trostberg (Bayern) Damaszener-, Frankfurter Rosen und Zentifolien, in Gleichen/Reinhausen (Niedersachsen) alba- sowie dunkle und gestreifte Alte Rosen im Vergleichsanbau. Mit der Anlage eines Vergleichsanbaus ist die Absicht verbunden, weltweit alle Rosen dieser Gruppen zu sammeln, sie zu identifizieren und miteinander zu vergleichen. Wie eingangs bemerkt, werden nach Möglichkeit wurzelechte Rosen gepflanzt oder veredelte Rosen so tief gesetzt, daß sie sich im Laufe weniger Jahre von den dann absterbenden Unterlagen frei machen können. Nur so ist es möglich, das Wuchs- und Blühverhalten der Sorten vergleichend zu erfassen. Eine interessante Fragestellung innerhalb des Netzwerkes ist die Ermittlung des optimalen Zeitpunktes zum Schneiden und Bewurzeln von Stecklingen, um wurzelechte Rosen zu erzielen. Gelingt dies unter bestimmten Umständen nicht, geben die betreffenden Rosen damit einiges über ihre Verwandtschaftsbeziehungen zu anderen Klassen preis.
Von den Sangerhäuser gallica-Rosen werden in Gleichen zudem Sicherheitsduplikate erhalten. Damit wird gewährleistet, daß im Falle des Verlustes einer Sorte oder Herkunft an einem Standort die Wiederbeschaffung einer genetisch identischen Rose garantiert werden kann. In Burgwedel (ebenfalls Niedersachsen) werden Sicherheitsduplikate von Sangerhäuser Bibernell- und Moschus- bzw. Duft-Rosen [2] in öffentlich zugänglichen Pflanzungen stehen, wobei die Bibernell-Rosen in Kürze voraussichtlich nach Eichstetten überführt werden, wo auch ein Vergleichsanbau der unterschiedlichen Herkünfte des tausendjährigen Rosenstockes zu Hildesheim angelegt werden soll (Gladis 2007). Es ist sehr wünschenswert, daß sich weitere Liebhaber dem Netzwerk anschließen und sowohl Vergleichsanbauten durchführen als auch zusätzliche Standorte für Rosen schaffen, die wegen ihrer Seltenheit kaum bekannt und unzureichend beschrieben sind oder die häufig mit ähnlichen Sorten verwechselt werden.
Dem voraus ging eine beginnende Spezialisierung innerhalb des Netzwerkes, das sich zunächst mit dem Auffinden, mit der Beschreibung, Bestimmung und Erhaltung von Fundrosen beschäftigte. Wie bei anderen Kulturpflanzen auch, wird nicht ausschließlich vom Handel bestimmt, was dann tatsächlich in Landschaft und Garten gepflanzt wird und dort überdauert.
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Gerade bei den wurzelechten Sorten geschieht es heute wie vor hunderten Jahren, daß Ausläufer oder Stecklinge der meist namentlich nicht bekannten Sorten von Hand zu Hand weitergegeben werden. Auch Bauerngärten, alte Parkanlagen und Friedhöfe sind wahre Fundgruben für Sammler alter und historischer Rosen. Manchmal werden diesen Fundrosen zunächst Phantasie- oder „Arbeitsnamen“ verliehen, um sie voneinander unterscheiden zu können. Mitunter erhalten sie nur Nummern oder es bleibt bei einem Vermerk zur Erinnerung an die Person, von der man sie einmal erhalten hat. Das allein genügt jedoch nicht, um die entsprechenden Sorten dann mit Hilfe der Literatur zu identifizieren. Abgesehen von Fehlern, die sich auch in Fachbücher einschleichen, bedarf es einfach eines unmittelbaren, sorgfältigen Vergleiches lebender Pflanzen, die unter gleichen Bedingungen wachsen. Außerdem wird sehr viel Erfahrung benötigt, um die Sortenzugehörigkeit mit einiger Sicherheit feststellen zu können. Hilfreich sind auch die elektronisch verfügbaren Boniturbögen, die auf der Basis des field reports (Dean et al. 2002) im Rahmen des Genbank-Projektes entwickelt wurden und die jetzt allgemein genutzt werden können [3]. Zu berücksichtigen ist bei der Nutzung dieser Tabellen, daß sie keineswegs als starr und unveränderlich aufzufassen sind. Eigenschaften können nach Rücksprache mit dem Netzwerk ergänzt oder modifiziert werden. Sicher ist es größeren Sammlungen nicht möglich, bei jeder Rose des Gesamtbestandes Jahr für Jahr alle Merkmale zu erfassen. Hier müssen Kompromisse eingegangen und die Dokumentation über einen längeren Zeitraum vervollständigt werden. Überraschende Erkenntnisse und Erfahrungen bleiben bei einer derart intensiven Beschäftigung mit einzelnen Rosenklassen dann auch nicht aus. Neben (vermeintlichen) Duplikaten werden gelegentlich auch verschollene Sorten wiedergefunden oder Rosen entdeckt, für die bisher noch gar keine Beschreibungen vorliegen. Auch ist zu erwarten, daß aus Absaaten der alten Sorten neue, interessante und schöne Rosen hervorgehen, die das Spektrum der bekannten Sorten bereichern.
Der Amtspark von Burgwedel gehört zur Gartenregion Hannover. In Vorbereitung der Bundesgartenschau Hannover 2009 hat Frau Frost in Burgwedel einen Rosenweg angelegt, auf dem neben Fundrosen auch Sicherheitsduplikate aus dem Europa-Rosarium Sangerhausen stehen, vor allem Bibernell-Rosen (Sect. Pimpinellifoliae DC.) [4]. Beabsichtigt ist eine Erweiterung um die Gruppe der Moschus- bzw. Duft-Rosen. Erste Erfahrungen mit wurzelechten Rosen aus der R.-spinosissima-Verwandtschaft belegen, daß die wurzelechten Rosen den anhaltenden Trockenstreß des Frühjahrs und des Sommers 2008 besser verkraften als die veredelten Rosen. Allerdings ist die Anwachsrate der Stecklinge mit rund 25 % gering. Aufgabe der nächsten Jahre wird daher sein, nach Techniken für eine bessere Bewurzelung zu suchen und die Duplikate zunächst doch auf Unterlagen zu veredeln, von denen sie sich dann wieder befreien.
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Frau Protte hat in Trostberg einen neuen Rosengarten konzipiert, der in einem ehemaligen Klostergarten angelegt ist. [5] Der historische Garten bietet den idealen Rahmen für die Sammlung alter, in Deutschland und Teilen Österreichs aufgefundener Rosensorten. Zugrunde liegt die Idee, überlebende Züchtungen vergangener Jahrhunderte aufzuspüren, sie zu erhalten und sie einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Einen besonderen Schwerpunkt bildet die komplette Sammlung der heute noch existierenden francofurtana- Rosen, deren bekannteste Vertreterin die Tapetenrose ist.
Die gefundenen Rosen sollen identifiziert werden. Hierzu sind Recherchen in Rosendatenbanken, Katalogen, Rosenbüchern etc. notwendig. Letzte Sicherheit gewährt jedoch nur der Vergleich in vivo, d.h. die benachbarte Pflanzung der zu identifizierenden Rose mit kriteriengleichen Sorten. Dadurch wird eine über Jahre dauernde vergleichende Sichtung möglich. Voraussetzung für eine erfolgreiche Vergleichspflanzung ist die Sortenechtheit der Referenzpflanzen. Die Erfahrung der vergangenen Jahre lehrt, daß es notwendig ist, sowohl die von Rosenschulen, als auch von Rosarien oder Botanischen Gärten bezogenen Referenzpflanzen genauestens auf ihre Echtheit zu überprüfen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, in Zusammenarbeit mit dem Europa-Rosarium Sangerhausen eine Vergleichspflanzung aller damascena-Rosen und Zentifolien in Trostberg vorzunehmen. Beide Gruppen sind überschaubar und damit auch in einem kleinen Garten wie Trostberg zu handhaben.
Um wurzelechte Rosen zu erzielen, werden sowohl die Fundrosen als auch die damascena- und die Zentifoliensorten aus Sangerhausen als Stecklinge oder Wurzelableger im Privatgarten von Frau Protte herangezogen. Die in Sangerhausen stehenden francofurtana-Rosen sind im Trostberger Rosengarten bereits vorhanden. Alle Fundrosen stehen aus folgenden Gründen auf eigener Wurzel:
Die Rosen werden auf eigener Wurzel stehend vorgefunden. Dieser Vorteil bürgt für Langlebigkeit und soll erhalten bleiben.
- Das Okulieren der Rosen verändert häufig den Charakter nicht nur der Blüten sondern der gesamten Pflanze.
- 2. Nach 6 Jahren vergleichendem Anbau derselben alten Sorten auf unterschiedlicher Wurzel, überzeugt der üppigere Wuchs wurzelechter Rosen.
Stecklingsvermehrung
In der alten Rosenliteratur wird über die Technik und über Erfahrungen mit den unterschiedlichen Sorten und Zeiten des Stecklingsschnitts sehr ausführlich berichtet. In modernen Fachbüchern ist dieses Kapitel meist recht kurz (Beales 1997, Quest-Ritson 2004). Dabei ist die Stecklingsvermehrung eine der ältesten Vermehrungsmethoden und wird von Hobbygärtnern heute noch gern praktiziert. Im gewerblichen Bereich und leider auch beim Erhalt bestehender Rosensammlungen findet sie jedoch nur noch selten Anwendung.
Zentifolien und Moosrosen lassen sich äußerst schwer über Stecklinge vermehren. Hier ist die Anwachsrate mit 20 % besonders niedrig. Noch geringer ist sie bei den echten alba- Rosen. Leichter bewurzeln sich Stecklinge von gallica- Rosen. Zuverlässiger lassen sich Portland-, Bourbonrosen und Remontanthybriden bewurzeln. Die mit Abstand am einfachsten über Stecklinge zu vermehrenden Sorten sind die multiflora- und wichurana- Rosen. Neben der Sortenabhängigkeit spielt der Zeitpunkt eine wichtige Rolle. Idealerweise nimmt man blühende oder gerade abgeblühte Triebe. Die in Trostberg innerhalb von 15 Jahren Stecklingsvermehrung erzielten Ergebnisse decken sich weitgehend mit den Angaben von Rudolf Geschwind (1884) und Hermann Jäger (1893).
Ende Juni 2007 wurden Stecklinge aller in Sangerhausen vorhandenen damascena- Rosen und Zentifolien nach Trostberg gesandt. Sie wurden mit Etiketten versehen ins Anzuchtbeet gesteckt. Bereits nach 10 Tagen stachen einige Sorten durch sofortigen und andauernden Austrieb ins Auge, allen voran die Sorte ’Parvifolia’ (Cent.), deren Stecklinge sich innerhalb weniger Wochen zu kräftigen Jungpflanzen entwickelten. Ebenfalls leicht wurzelten die Sorten ’Juno 1817’ (Cent.), ’Miranda’ (Dam./Portl.) und die als Hybride aus R. centifolia × R. multiflora Thunb. geltende ’Stratosfera’.
Bei Sorten, die in Sangerhausen als Zentifolien oder centifolia- Hybriden geführt, von anderen Autoren jedoch den gallica- Rosen zugeordnet werden, ließ sich nach gut zwei Wochen ebenfalls ein langsamer aber kontinuierlicher Austrieb feststellen. Hierzu zählen ’Cardinal de Richelieu’, ’Centifolia à Fleurs Doubles Violettes’ und ‘Robert le Diable’.
Mit ihrem Bewurzelungsverhalten bestätigten oder widerlegten diese Sorten offenbar angenommene Verwandtschaftsbeziehungen. ’Parvifolia’ wird heute als Pompon-Zentifolie angesehen. Die prompte Bewurzelung und das zügige Wachstum lassen neben anderen Merkmalen Zweifel an dieser Zuordnung aufkommen. Die Pomponröschen waren nicht von Anfang an den Zentifolien zugeteilt. In alten Rosenlisten um 1800 wurden sie als Einzelrosen aufgeführt (Wrede 1809, Keller 1828).
’Stratosfera“ bestätigt mit ihrem schnellen Austrieb die Nähe zu Rosa multiflora, ’Miranda’ ihren Portland-Charakter. Bei der Sorte ’Juno 1817’ korrespondiert das Bewurzelungsverhalten mit den Nachweisen der Sorte in der Literatur. Nur im Sangerhäuser Verzeichnis wird ’Juno 1817’ als Zentifolie geführt. August Jäger stellt 1960 ein Fragezeichen hinter den Sortennamen, kann die Rose also keiner Gruppe zuordnen. Erstaunlicherweise findet sie sich weder bei Nietner, noch bei Nickels oder Döll. Erst 1809 taucht sie beim Handelsgärtner Wrede im Katalog auf, aber auch hier nicht bei den Zentifolien sondern einfach als „Rosa Juno. Juno’srose“.
Im Sommer 2007 waren zahlreiche Stecklinge ausgefallen. Daher wurden Ende Mai 2008 von ausgesuchten damascena- und Zentifoliensorten in Sangerhausen noch einmal Stecklinge geschnitten. Bei diesem Besuch im Europa-Rosarium fiel eine wegen ihres Fruchtknotens an eine francofurtana- Rose erinnernde Pflanze auf, die in Sangerhausen als Rosa majalis Herrm. var. plena (West) Brumme et Gladis ausgewiesen wird. Das gefüllte Mairöschen gehört zu den häufigsten Fundrosen im Trostberger Rosengarten. Es entspricht in allen Merkmalen vollkommen der Art, ausgenommen der gefüllten Blüte. Der Kelch ist glatt und nicht besonders erweitert. Somit konnten diese Fehletikettierung berichtigt und dem Rosarium Ausläufer der echten majalis ’Plena’ in Aussicht gestellt werden. Für die im Europa-Rosarium vorhandene, falsch etikettierte Rose gibt es leider keinen Nachweis mehr. Sie wird nun wie andere Fundrosen auch in Trostberg einer Identifizierung unterzogen.
Von Frau K. Schade werden in Gleichen / Reinhausen dunkle und auch gestreifte Alte Rosen betreut sowie alba- Rosen: Diese Sammlung soll hier beispielhaft etwas ausführlicher dargestellt werden:
Dunkle Alte Rosen [6]
Seit etwa 1992 werden in Gleichen schwarze, violette und „blaue“ Alte Rosen gesammelt. Bald stellte sich die Frage, ob alle zusammengetragenen wirklich verschiedene Rosen waren. Sie standen aber verteilt im Garten und konnten deshalb nie abschließend beurteilt werden. Einige andere wurden als remontierend beschrieben, blühen aber nur einmal, so etwa die ’Reine des Violettes’ von Schultheis, in Sangerhausen unter dem Namen ’Centifolia à Fleurs Doubles Violettes’ geführt und andernorts auch unter diesem Namen verkauft.
Diese steht hier neben einer ’Orpheline de Juillet’ – bis auf den bei ersterer fehlenden Duft sind beide kaum voneinander zu unterscheiden.
Die hier nur angedeuteten Unsicherheiten waren der Beweggrund, alle erreichbaren „dunklen Alten Rosen“ aufzupflanzen und die vielleicht noch fehlenden zu kaufen oder einzutauschen.
Im Herbst 2007 und im Frühjahr 2008 nun sind die ersten 20 Rosen in die Vergleichsbeete gepflanzt bzw. umgepflanzt worden. Die dunklen Rosen aus Sangerhausen sind im Sommer 2007 für die Teilnahme an diesem Versuch in die Vermehrung gegangen und werden voraussichtlich im Herbst 2008 in die Vergleichsbeete ausgepflanzt. In dieses Projekt sind zusätzlich hellere Rosen einbezogen, die beim Verblühen einen bläulichen Farbton annehmen und auch häufig als synonym oder als sehr ähnlich geführt werden wie etwa ’Jenny Duval’ und ’Président de Seize’ oder ’Nestor’. Die dritte Vergleichsgruppe sind die wunderschönen, halbgefüllten oder fast ungefüllten Rosen um ’Violacea’, ’La Belle Sultane’ oder ’Maheca’. Diese gelten überall als gleich und synonym. Um sicher zu gehen, daß die wahrnehmbaren Unterschiede im Garten auf den Standort zurückzuführen sind, stehen sie nun zum Vergleich direkt nebeneinander.
alba-Rosen [7]
Entstanden ist dieses Projekt aus dem Bedürfnis heraus, alba-Fundrosen der Region Göttingen zu bestimmen. Im Laufe der Jahrhunderte sind unzählige Sorten verloren gegangen. Viele der wenigen im Handel verbliebenen Sorten tragen falsche Sortennamen.
Alles begann mit einer bis heute nicht abgeschlossenen Sammelaktion. Im Herbst 2006 wurden in dem entstehenden Rosenpark die ersten Vergleichsbeete für die alba-Rosen angelegt und mit den ersten 80 Rosen bepflanzt. Im Jahr 2007 war das erste Vergleichsjahr für diese Rosenklasse. Sie wurden vom Austrieb über die Blüte bis zur Hagebuttenbildung und dem Laubfall u.a. auch fotografisch dokumentiert,
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Die Beobachtungen des ersten Jahres führten dann im Herbst desselben Jahres bei der Erweiterung der bestehenden Vergleichsbeete dazu, daß Rosen nach dem Phänotyp gruppiert und neu zusammenstellt wurden. Nach diesen phänotypischen Merkmalen wurden dann im Herbst die inzwischen 13 Vergleichsbeete neu bepflanzt. Bisher sind es folgende 14 Gruppen:
- Maxima mit Engelsblut (gefüllte weiße alba-Rosen mit rosa/blushfarbener Ausfärbung der jungen Blüte und der Knospen, in der Regel ohne Staubgefäße)
- Maxima (gefüllte weiße alba-Rosen ohne Farbveränderungen und mit Resten von Staubgefäßen)
- Semiplena 1 (ungefüllte oder sehr wenig gefüllte weiße alba-Rosen)
- Semiplena 2 (halbgefüllte weiße alba-Rosen mit gut sichtbaren Staubgefäßen)
- Noisette-Albas (’Mme Plantier’ als Leitrose für eine Gruppe stachelloser, als alba-Rosen geführter Sorten mit grünem Laub)
- Amelia (eine sehr heterogene Gruppe von Rosen teils verschiedener Rosenklassen, die unter dem Namen „Amelia“ laufen und verkauft werden, darin auch die ’Belle Amour’)
- Königin von Dänemark
- Félicité Parmentier (die alba-Rosen dieses Namens aus verschiedenen Herkünften sowie Rosen anderen Namens, die ’Félicité Parmentier’ sehr ähneln)
- Incarnata (Sammelname für eine Gruppe verschiedener alba-Rosen mit hartem, oft grünlichem Blatt und wenigen oder keinen Stacheln, nach der rosafarbenen, in Sangerhausen als „Incarnata“ bezeichneten Rose; mit ’Chloris’, ’A Feuilles de Chanvre’ etc.)
- Maidens Blush (zu dieser homogenen Gruppe gehören mehrere Sorten, wie ’Cuisse de Nymphe’, und ’Great Maidens Blush’, auch Fundrosen sind darunter)
- Princesse de Lamballe (weiße alba-Sorten mit hochaufschießendem Wuchs)
- Vix Spinosa (Fundrosen mit Namen wie z.B. „Schöne aus Angeln“ oder „Hexe vom Höllental“, die der verlorenen „Vix Spinosa“ entsprechen, die von Pinhas gemalt wurde)
- Blush Hip (und andere nicht so recht als alba-Rosen zu erkennende Sorten wie ’Minette’ oder ’Alba Suionum’ und die Hurdalrose)
- Falsche alba-Rosen (wie etwa die unter dem Namen ’Small Maidens Blush’ verkaufte ’Duchesse de Montebello’
Im März 2008 befinden sich in der Sammlung 162 alba-Rosen-Herkünfte, aus dem Handel, Tausch und Fundrosen aus Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, den Niederlanden und Österreich. Sie sind bereits ausgepflanzt oder noch in der Vermehrung. Etwa 10 weitere sind für Vermehrung/Veredelung oder den Tausch von Ausläufern noch für 2008 in Aussicht gestellt. Weit über die Hälfte der Pflanzen dieser Sammlung gehört in die Gruppen Maxima und Semiplena.
Gestreifte Alte Rosen [8]
Ein weiteres Vergleichsprojekt ergab sich im Jahr 2007. Neben der angeblichen gallica-Rose „Bella Doria“ stand die sehr ähnliche Bourbon-Rose ’Commandant Beaurepaire’ und die beiden anderen gestreiften gallica-Rosen von Schütt, nämlich die identisch aussehenden ’Tricolore de Flandre’ und ’Panachée a Fleurs Doubles’. Auch ’Honorine de Brabant’ und ’Province Panachée’ sahen sich zum Verwechseln ähnlich. So reifte der Beschluß, diese gestreiften Rosen ebenfalls vergleichend aufzupflanzen. Unterstützt wurde der Ansatz vom Europa-Rosarium Sangerhausen, wo sehr ähnliche Probleme mit dieser Gruppe bestehen. Das setzt sich bei den gepunkteten rosafarbenen Sorten fort, auch hier gibt es falsch etikettierte und zweifelhafte Exemplare. Der Großteil der für den Vergleich vorgesehenen Rosen ist noch in der Vermehrung, so daß es 2008 zu einer ersten Sichtung kommen wird.
Allen, die an den hier genannten Rosen Interesse und vielleicht auch Unsicherheiten bei der Zuordnung der Sortennamen haben wird hiermit angeboten, nach Absprache Reiser fraglicher Rosen an die Autorinnen für den Vergleichsanbau bzw. zur Identifikation zu senden. Um vorherige Kontaktaufnahme wird gebeten. Gesucht werden auch gleichnamige Rosen aus verschiedenen Quellen, wenn die Vermutung besteht, daß diese Rosen verschieden sein könnten.
Literatur
Beales, P. 1997: Classic Roses. H. Holt & Co., Inc., New York, 500 pp.
Dean, J., L. Storm, and B. Vierra 2002: Field report of rose characteristics. An innovative approach to the documentation of old roses. 59+2pp.
Döll, W. 1855: Der Rosengarten. J.J. Weber, Leipzig. Reprint: 1978: Verlag Frick, 438 S.
Geschwind, R. 1884: Die Hybridation und Sämlingszucht der Rosen. H. Voigt, Leipzig, 240 S.
Gladis, Th. 2007: Eine Rose ist eine Rose sind zwei Rosen – oder auch mehr? Rosenjahrbuch, 69-76.
Jäger, A. 1960: Rosenlexikon. Zentralantiquariat Leipzig, 768 S.
Jäger, H. 1893: Katechismus der Rosenzucht. Vollständige Anleitung über Zucht, Behandlung und Verwendung der Rosen im Lande und in
Töpfen. Band 103, 2. verb. u. verm. Aufl. J.J. Weber, Leipzig, 235 S.
Keller, W. 1828: Verzeichnis und kurze Beschreibung der grossen Rosen-Sammlung des Kaufmanns Wilhelm Keller in Duisburg am Rhein. Reprint 2004: Daphne Filiberti Publ., 257-296.
Nickels C. 1845: Cultur, Benennung und Beschreibung der Rosen. Pressburg, Verl. J. Landes sel. Wwe. Buchh., Reprint 1976: Verlag Frick, 64+80+61+124 S.
Nietner, Th. 1880: Die Rose. V. Wiegandt, Hempel u. Parey. Reprint 1983: Verlag Frick, 1983, 281+160 S.
Quest-Ritson, Ch. und B., 2004: Rosen. Die große Enzyklopädie. Dorling Kindersley, Starnberg, 448 S.
Wrede, E. Chr. C. 1809: Verzeichnis der Rosensträuche. S. 44 – 50 in: J. W. D. Korth: Rose, 1819 aus Band 127 von J. G. Krünitz’ Ökonomisch-technologischer Enzyklopädie.
Links
[1] Das Rosennetzwerk
[2] Moschata-Hybriden???
[3] Bonituren
[4] Rosenweg in Burgwedel
[5] Rosengarten Trostberg
[6] Dunkle Alte Rosen
[7] Alba Rosen
[8] Gestreifte Alte Rosen
Abbildungen
Abb. 1a, b: Frau Gerl aus Eichstetten a.K. mit der remontierenden Moosrose, die ihre Eltern hier in den 1930er Jahren gepflanzt haben. Name und Herkunft sind ihr nicht bekannt, doch sie gibt gern Ausläufer an Interessenten weiter. (Foto: Th. Gladis)
Abb. 2: Anzuchtbeet von wurzelechten Bibernell-Rosen (Foto: Chr. Frost)
Abb. 3: Rosenweg in Burgwedel (Foto: Chr. Frost)
Abb. 4 a-d: Vergleichspflanzung von alba-Rosen im Bürgertal Gleichen (Fotos: K. Schade)
Abb. 4 e, f: alba-Rosen-Vergleichsbeete 2008
Anschriften der Autoren:
Frau Chr. Frost, Hannoversche Str. 26a, 30938 Burgwedel, T: 05139-6128, 0171-3553688
Herr Dr. Th. Gladis, Burgtalstr. 11, 79356 Eichstetten a.K., T: 07663-6038008
Frau M. Protte, Hauptstraße 25, 83308 Trostberg, T: 08621-7184
Frau K. Schade, Reintalstraße 5, 37130 Gleichen / Reinhausen, schadeschade@t-online.de, abends auch T: 05592-1840
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